Sonntag, 31. Juli 2011

we are war to ourselves.

gerade fällt alles sehr schwer. entschuldigung für die abwesenheit.

gerade habe ich baz luhrmans manifest wieder entdeckt. und mich daran erinnert, wie fantastisch und richtungsweisend es ist. wirklich. preach it, i will.



Benutzen Sie SUNSCREEN.
Wenn ich Ihnen nur einen einzigen Rat für Ihre Zukunft geben dürfte:
Es wäre SUNSCREEN. Die durch lange Jahre bewährten Vorteile von Sunscreen sind wissenschaftlich erwiesen, wohingegen der Rest meiner Ratschläge für Sie lediglich auf meiner eigenen, oft verwickelten Lebenserfahrung beruht.
Diese Ratschläge werde ich Ihnen jetzt geben.
Genießen sie die Schönheit und die Macht Ihrer Jugend!
Wobei – Sie werden diese Schönheit und diese Macht ihrer Jugend ohnehin erst dann vollends begreifen, wenn Sie sie nicht mehr haben. Aber glauben Sie mir: in 20 Jahren werden sie alte Fotos von sich anschauen und dann auf eine Art und Weise, die Sie jetzt noch nicht begreifen können, realisieren, welche Möglichkeiten Sie damals hatten und wie fabelhaft sie aussahen ....
Sie sind nicht so fett, wie Sie glauben.

Machen Sie sich keine Sorgen über die Zukunft – oder wenn Sie wollen, machen Sie sich Sorgen. Aber Sie sollten wissen, dass Sorgen genauso effektiv sind wie der Versuch, eine algebraische Gleichung durch das Kauen von Kaugummi zu lösen. Die echten Probleme in Ihrem Leben werden Dinge sein, über die Sie sich mit Ihrem sorgenzerfressenen Gehirn niemals Gedanken gemacht haben. Dinge, die grundsätzlich und komplett unerwartet an ruhigen Dienstagen gegen 4 Uhr nachmittags eintreffen.
Sie sollten täglich etwas tun, wovor Sie Angst haben.
Singen Sie.

Gehen Sie niemals fahrlässig mit den Herzen anderer Menschen um, und meiden Sie Personen, die fahrlässig mit ihren eigenen Herzen umgehen.

Benutzen Sie Zahnseide.

Verschwenden Sie keine Zeit auf Eifersucht. Sie werden mal vorne liegen und mal
weiter hinten. Das Rennen geht über lange Distanz, und im Endspurt sind Sie Ihr einziger Gegner.

Erinnern Sie sich an jedes nette Wort, das man Ihnen sagt und vergessen Sie die Beleidigungen. Und wenn Ihnen das gelingt, sagen Sie mir bitte, wie man das macht.

Heben Sie alte Liebesbriefe auf. Alte Kontoauszüge werfen Sie besser weg.

Machen Sie Dehnübungen.

Wenn Sie nicht wissen, was Sie mit Ihrem Leben anfangen sollen – fühlen Sie sich nicht schuldig. Die interessantesten Menschen, die ich kenne, hatten mit 22 keine Ahnung davon, und einige der interessantesten 40jährigen, die ich kenne – auch nicht.

Achten Sie auf Ihren Calcium-Spiegel.
Und achten Sie auf Ihre Knie – Sie werden Ihnen fehlen, wenn sie nicht mehr funktionieren.

Vielleicht heiraten Sie, vielleicht auch nicht, vielleicht werden Sie Kinder haben, vielleicht auch nicht, vielleicht lassen Sie sich scheiden, oder sie tanzen mit Ihrer Frau auch noch am 75. Hochzeitstag - was immer auch sei – beglückwünschen Sie sich selbst nicht allzu oft – und beschimpfen sollten Sie sich auch nicht: Jede Entscheidung, die Sie in Ihrem Leben getroffen haben werden, wird zu 50% Zufall gewesen sein.
Lieben Sie Ihren Körper, gebrauchen Sie ihn auf jede erdenkliche Weise, haben Sie keine Angst davor, oder davor, was die Leute darüber sagen könnten – er ist das beste Werkzeug, das Ihnen jemals zur Verfügung stehen wird.

Tanzen Sie, und wenn es nur zuhause in Ihrem Wohnzimmer ist.
Lesen Sie Gebrauchsanweisungen – auch wenn Sie sie nicht befolgen.
Lesen Sie keine Schönheitsmagazine – Sie werden sich danach nur häßlich fühlen.
Lernen Sie ihre Eltern kennen – Sie wissen nie, wann sie für immer gegangen sein werden.
Behandeln Sie ihre Geschwister gut – Sie sind die beste Verbindung zu Ihrer persönlichen Vergangenheit und die Menschen, die in der Zukunft am ehesten zu Ihnen halten werden.
Begreifen Sie, dass Freunde kommen und Freunde gehen. Aber für die Handvoll echter Freunde: bleiben Sie dran. Arbeiten Sie zäh daran, Entfernungen geographischer oder sozialer Natur zu diesen Menschen zu überbrücken. Denn je älter Sie werden, um so mehr brauchen Sie die Menschen, die Sie gekannt haben, als Sie noch jung waren.

Leben Sie einmal in New York, aber ziehen Sie fort, bevor Sie verhärten.
Und leben Sie einmal in Nordkalifornien, aber ziehen Sie fort, bevor Sie verweichlichen.

Reisen sie.

Akzeptieren Sie einige unveränderliche Wahrheiten:
Preise steigen, Politiker gehen fremd, auch Sie werden älter - und wenn Sie alt geworden sind, werden Sie sich weismachen, dass früher die Preise vernünftig waren, die Politiker anständig und Kinder noch Respekt vor ihren Eltern hatten.
Respektieren Sie Ihre Eltern.

Erwarten Sie von niemandem Unterstützung. Vielleicht haben Sie ein dickes Bankkonto oder einen reichen Gatten – aber Sie wissen nie, wann eines von beiden weg ist.

Machen Sie nicht zuviel mit ihrem Haar rum. Sonst werden Sie mit 40 wie 85 aussehen.

Seien Sie vorsichtig, wessen Rat Sie sich holen, aber seien sie auch geduldig mit denen, die Ihnen Rat geben. Rat ist eine Art Nostalgie, Rat geben ist so wie die Vergangenheit aus dem Mülleimer holen, sie aufpolieren, neu übermalen und dann für mehr verkaufen, als sie wert ist.

Aber vertrauen Sie mir, was SUNSCREEN angeht.

Sonntag, 17. Juli 2011

der sichere hafen heimat


ich hatte eine woche urlaub und meine schwester hatte die idee, dass wir uns ein kanu ausborgen und samt zelt und hund ins blaue fahren, ein paar tage oder auch länger.


ich habe mich darauf gefreut. es schien so aufregend und wild. und ich meinte, dass ich wieder lernen würde, was wirklich wichtig ist.

am donnerstagabend ging's los. am anfang war es noch ganz nett aber wegen der ungleichen gewichtsverteilung unseres gepäcks fuhren wir immer im zickzack. das ständige ausweichen und korrigieren der richtung strengte sehr an. und eben dadurch erreichten wir das ziel nicht, das wir uns gesteckt hatten und mussten unser zelt notdürftig inmitten eines maisfeldes aufbauen. uns schien das ein guter platz; und außerdem sah man uns nicht besonders gut. (schließlich ist das zelten auf maisfeldern nur semi-legal.)


es wurde dunkel, wir krochen ins zelt und versuchten zu schlafen. der hund war unruhig, die ganze nacht. winseln, bellen, jammern. immer wieder hörten wir geräusche. und gegen um 2 dann sogar ein grunzen, direkt neben meinem ohr. der hund bellte und man hörte etwas weggallopieren. wildschweine, ganz offensichtlich.
später dann immer wieder schüsse aus unterschiedlichen weiten.


i look like crap. ich wünschte, ich hätte die schwester dazu gezwungen, weitere photos zu machen.

wir waren sehr dankbar, als es endlich morgen war, obwohl wir eigentlich gar nicht geschlafen hatten. als wir das zelt öffneten, war um unser zelt alles aufgewühlt und voller wildschweinspuren.

nach einigem hin und her entschlossen wir uns, wieder nach hause zu fahren. die nacht war einfach zu alptraumhaft. nie wieder wollten wir in der wildnis zelten. wann hatte ich das letzte mal solche angst gehabt?

die gleiche strecke, die wir am tag zuvor in 3 stunden zurückgelegt hatten, kostete uns nun 7 stunden. sturm. wellengang. wir paddelten und paddelten aber kamen einfach nicht vorwärts. völlig resigniert stoppten wir auf einer insel mit der einsicht, dass wir keine andere möglichkeit haben als weiterzupaddeln. wir hatten schüttelfrost, waren völlig übermüdet, die schultern schmerzten, alles war nass, der hund verängstigt.

die aussicht auf eine dusche, kakao mit sahne, nach weichspüler riechende flanellpyjamas und eine warme mahlzeit trieb uns dann nach hause.

ich hätte uns gern gesehen, wie wir vor dem bootsverleih standen. durchnässt, tiefste augenringe, blaue lippen, schüttelnd. als der kleine grüne opel mit unserer mutter schließlich um die ecke bog, war endlich alles vorbei. wir bekamen kakao und bestellten pizza.

ich denke, ich habe viel über angst gelernt auf diesem ausflug. wir fühlen uns wie versager, aber angst zu haben ist kein versagen. angst ist wieder nur ein menschliches gefühl.

Sonntag, 10. Juli 2011

paradieszirkus

was ich an diesem sonntag gemacht habe:
mit familie in friedrichshagen in der weißen villa gebruncht. vermutlich 2 kg angefressen. hund in wasser geschmissen. uns von hundehassern beschimpfen lassen. erdbeereis gegessen. trampolin gesprungen.


meine schwester springt; ich bin noch skeptisch.


aber vor allem habe ich mein allererstes selbst genähtes kleid eingetragen. ich liebe es. niemals hätte ich gedacht, dass es so gut wird. ich habe gestern tausend tode ausgestanden. aber spaß hat es gemacht. unheimlich viel spaß. die näherei wird zu meinem neuen lieblingshobby; und das brauche ich auch, nachdem ich mir den innig geliebten stepptanz einfach nicht mehr leisten kann.

jedenfalls möchte ich an dieser stelle unbedingt noch eine empfehlung aussprechen.
"Built by Wendy: Dresses" ist meine neue kleidchenbibel. wenn ich könnte (und nicht so elefantöse schenkel hätte) würde ich 365 tage im jahr kleidchen tragen. vor allem solche wie die aus dem buch. beigelegt sind 3 schnittmuster. in jeweils 3 kapiteln werden dann die vielfältigen möglichkeiten, die jeder schnitt bietet, erklärt. und das schritt für schritt mit bildern. ich bin wirklich aufgeregt, wenn ich an die vielen zukünftigen projekte denke. bald werde ich mir das "Built by Wendy: Coats & Jackets" auch kaufen.

hier ist es. (der stoff: eine alte gardine, die ich sehr günstig erstand) und der hund.



vermutlich sollte ich nun in die muckibude gehen. sollte.

Montag, 4. Juli 2011

whatever you do, do it with all your might.

letzte woche war ich bei sehr lieben personen zu gast. wir haben auf einer terrasse, in die ich mich verliebt habe, kuchen und eis und himbeeren gegessen, einen babybauch bewundert und: (trommelwirbel, bitte) ich habe häkeln gelernt.
als meine schwester und ich klein waren, wurde ihr häkeln beigebracht und mir das stricken, so wie es sich für mädchen gehört. es ist natürlich bekannt, dass ich die weltbeste strickerin bin.
das ist ein wunderschöner schal, an dem ich seit wahnsinnigen 5 jahren arbeite. jeder ist eifersüchtig.


hier ein foto der ersten maschen, die auf der terrasse entstanden sind. ich will auch eine vernünftige kamera. vielen dank fürs fotomachen und -schicken an dieser stelle.



ich häkele gerade einen topflappen. die klassische, ostige grüne wolle ist die einzige wolle, die ich im haus hatte, gemopst von meiner maman und vermutlich "Made in GDR".
die kombination des häkelns und hörbuchhörens habe ich von meiner begnadeten lehrerin. es ist wunderschön und so friedfertig. aktuell verliere ich mich in "Léon und Louise". ich genieße die stunden sehr.


beim nächsten treffen wird der lappen mit "mäusezähnchen"-muster eingefasst. immer, wenn ich das wort "mäusezähnchen" höre, muss ich kichern.

Samstag, 2. Juli 2011

i pledge that i shall refashion.

ich habe meinen montagabend damit verbracht, 3sat zu schauen (ich glaube erstens: ich heirate Richard David Precht. und 2. dass Intreatment die beste serie des universums ist) und stundenlang kleidung auszubessern: knöpfe wieder annähen, löcher stopfen. puh. und irgendwie hatte ich dann immer noch lust, was mit meinen händen zu machen.

ich bin gerade arg begeistert von der refashion-bewegung. mir fiel sofort eine bluse ein, die eine kollegin aussortiert und mir gegeben hatte. der stoff ist wunderschön und leicht, aber irgendwie saß sie an mir so gar nicht. so sah die aus. und so sieht der flokati aus.


ich habe die ärmel ab- und den ausschnitt eingeschnitten. alle kanten versäubert (ich kann immer noch nicht rund nähen, damnit.) aus den ärmeln bänder genäht und an den ausschnitt angebracht. nette flatterärmelchen gab es auch noch.
ich bin sehr zufrieden.



sie wurde auch schon auf der arbeit getragen. bewusste kollegin kam auf mich zu und schaute verwirrt. aber nach der aufklärung war sie begeistert.